Im Gespräch mit Mirjam Ohringer
Gespräch mit Abba Naor
Gespräch mit Walter Joelsen
Gespräch mit Ernst Grube
Gespräch mit Max Mannheimer
Gespräch mit Ester Béjarano
Gespräch Dr. Erwin Küchle

Workshops 2015

Seit dem Jahr 2015 besteht die Möglichkeit, dass jede/r einen Workshop in der ersten und einen Workshop in der zweiten Woche auswählen kann.

WORKSHOPS in der ersten Woche der IJB 2015 waren:

1. Alltag während des Krieges
In unserem Workshop möchten wir uns mit der Seite des Krieges auseinandersetzen, die nicht auf den Schlachtfeldern stattgefunden hat. Wir werden versuchen herauszufinden, was bei den Deutschen zu Hause passierte, was es bedeutete, in die Schule zu gehen, zu arbeiten, oder was hat Krieg im Privatleben der Menschen geändert hat.
Damit wir diese Fragen so gut wie möglich erforschen können, werden wir nicht nur verschiedene Medien benutzen, sondern auch einen Ausflug nach München unternehmen, um diese Aspekte mit einem Experten zu diskutieren.
Wir freuen uns auf unterschiedliche Herangehensweisen und Meinungen, um das Thema besser verstehen zu können.

2. Kunst im KZ Dachau – ?!
Kunst ist vielgestaltig, doch schwer zu definieren und erwartet uns an den unterschiedlichsten Orten. Das KZ Dachau und die heutige Gedenkstätte sind zwei Orte, an denen es einen überrascht, vielleicht sogar irritiert, auf „Kunst“ zu stoßen.
Wir wollen mit euch die Frage stellen, wann und wie ein Objekt zu Kunst wird. Ist ein Objekt aus sich selbst heraus Kunst? Wird es zu Kunst, indem es ausgestellt wird? Oder erschafft der Blick des Betrachters ein Kunstwerk immer wieder neu? (Wie) Verändert sich Kunst im Laufe der Zeit?
Dafür gehen wir mit euch auf die Suche nach dem Wesen der Kunst. Wir beginnen in unserem Alltag, gehen in der heutigen Gedenkstätte auf künstlerische Spurensuche und beschäftigen uns dann mit der Geschichte derjenigen Häftlinge, die im KZ Dachau Kunst herstellen mussten. Dabei wollen wir zeigen, dass Kunst im Konzentrationslager höchst ambivalent war: ein Herrschaftsinstrument und ein Moment der Widersetzung. Zum Schluss reden wir mit einem Holocaust-Überlebenden über die Bedeutung des Malens in seinem Leben und versuchen in gemeinsamer künstlerischer Reflexion unseren Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.
Alles was du mitbringen solltest, ist die Freude am Beobachten und die Bereitschaft, deinen Blick zu öffnen.

3. Marginalisierte Häftlingsgruppen
Als Marginalisierte Häftlingsgruppen werden im Allgemeinen die vergessenen und an den Rand gedrängten Opfer des NS Regimes bezeichnet. Dazu gehören neben vielen anderen Sinti und Roma, Homosexuelle, sowie sogenannte Asoziale und sogenannte Berufsverbrecher. Diesen wollen wir in unserem Workshop besondere Aufmerksamkeit widmen, indem wir uns mit Biografien und historischen Quellen auseinander setzen.
Wer waren diese Menschen, warum wurden sie verfolgt und wie ging es für sie nach dem Krieg weiter? Warum wissen wir so wenig über sie? Wesentlich ist für uns aber auch eine (selbst)kritische Betrachtung des Begriffs „Marginalisierte“ an sich. Diskussion darüber, wie möglichst ALLEN Opfern des NS Terrors gedacht werden kann, wird eines der Ziele unseres Workshops sein.
Wenn du gerne etwas lernen willst, von dem du bisher nichts oder wenig gehört hast und dich gerne kritisch mit der Geschichte und dem Lernen aus der Geschichte auseinandersetzt, bist du bei uns genau richtig und Herzlich Willkommen.

4. Die Ursprünge des Konzentrationslagers
In diesem Workshop werden wir die Ursprünge des Konzentrationslagers aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten. Erstens werden wir uns mit dem Einfluss von modernen „penoligischem  Denken“ und der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die Entfaltung des Systems der Konzentrationslager beschäftigen.
Dazu wird uns als Beispiel das KZ Dachau in den Jahren 1933–34 dienen, das sich später als Musterlager durch ganz Deutschland verbreitete. Zweitens, werden wir die KZs und das deutsche Repressionssystem im okkupierten Europa als eine Verbreitung des schon vorher existierenden kolonialen Systems untersuchen.
Anhand des Beispiels von Völkermord in Namibia, den die deutschen kolonialen Behörden gegen die Herero und Nama zu Beginn des 20. Jahrhundert betrieben hatten, werden wir uns mit den von den Kolonisten entwickelten frühen Instrumenten von Völkermord und Prototypen der Zwangsarbeitslager befassen. Nachher werden wir uns mit der Anwendung der kolonialen Praktiken im okkupierten Europa beschäftigen.

5. Nazi Weltanschauung (Wissenschaft und die Nazis)
Der deutsche Ingenieur Wernher von Braun wird häufig als der Gründervater des US-amerikanischen Raumfahrtprogrammes bezeichnet. Seine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Raketentechnik im nationalsozialistischen Deutschland wird dabei lediglich selten erwähnt.
In unserem Workshop wollen wir einen genaueren Blick auf seine Karriere als einer der führenden Wissenschaftler im Nationalsozialismus werfen. Dabei wollen wir auch die Frage diskutieren, was Wissenschaft von Pseudowissenschaft unterscheidet und ob die Wissenschaft im Nationalsozialismus als Pseudowissenschaft angesehen werden kann. Von Braun und seine Rolle in der Entwicklung der V-2 Rakete werden uns als ein Beispiel für die Rolle von Wissenschaftlern in der deutschen Gesellschaft während des Nationalsozialismus dienen.
Wenn ihr nicht nur mehr über diese Themen erfahren wollt, sondern auch über die Rolle von Wissenschaft und Wissenschaftlern in der heutigen Gesellschaft diskutieren wollt seid ihr herzlich in unseren Workshop eingeladen.

6. München im Nationalsozialismus (dieser Workshop wird nur in englisch angeboten)
In this workshop we will look at the city of Munich during the era of National Socialism. Our main areas of focus will be architecture and well known places of Nazi Munich, resistance, and everyday life in the city for people not associated with the Nazi Party.
The goal of this workshop will be to look at the very city that was the breeding ground for National Socialism and their movement, and to look at how the lives of its‘ residents were affected by this. At the end of the week we will be taking an excursion to Munich to visit the sites we have talked about during the workshop. We will analyze and contemplate how and if it is possible to continue to celebrate the prosperity of the city of Munich in the late 20th and early 21st centuries, while simultaneously remembering and coming to terms with the difficult past it was so much a part of.

 

WORKSHOPS in der zweiten Woche:

1. Aktion T-4: Das Vernichtungsprogramm
Das Programm „Tiergartenstraße 4“ ist auch als Euthanasie-Programm des Dritten Reichs bekannt. Es war eine Initiative unheilbar kranke, körperlich oder geistig Behinderte, emotional verstörte und viele andere Menschen zu töten.
In unserem Workshop werden wir über die historischen, sowie die wirtschaftlichen Hintergründe, die zur Gründung des Programms geführt haben, sprechen. Wir werden die Organisationsstruktur  analysieren und die technologischen Aspekte des Vernichtungsprozesses erwähnen. Menschen, die für das Ausführen des Programms verantwortlich waren, werden Ihnen vorgestellt, sowie einige Opfer des Terrors.
Wie reagierte die Deutsche Gesellschaft auf das Tötungsprogramm? Wie schafften die Nazis es ihre Verbrechen zu verschleiern? Wie wurden die Verantwortlichen am Ende verurteilt und bestraft?
Melden dich für unseren Workshop an, um mehr über eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu erfahren.

2. Rassismus und die Macht der Medien
Was ist Rassismus? Wo sind die Wurzeln und was kann man dagegen tun? Wie beeinflussen Medien das Meinungsbild und wie funktionierten sie während der Zeit des 3.Reiches?
Wenn dich diese Themen interessieren, bist du herzlich zu unserem Workshop eingeladen! Wir werden uns einige Methoden anschauen, die Medien verwendet haben, um das Terrorregime durchzusetzen und zu legalisieren. Außerdem werden wir interessante Filme anschauen, Zeitzeugen treffen und in Diskussionen unsere Meinungen und Erfahrungen austauschen.

3. KZ- Stadt Dachau. Beziehungen zwischen Stadt und Lager
Dachau ist in der ganzen Welt als KZ-Stadt bekannt. Was wussten die Bewohner der Stadt von den Grausamkeiten, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zwölf Jahre lang verübt wurden? Warum haben so wenige geholfen und wieso dauerte es über 20 Jahre bis die Gedenkstätte errichtet werden konnte?
Zu diesen und anderen Fragen werden wir versuchen, Antworten zu finden. Dazu arbeiten wir mit historischen Quellen, Biografien, und draußen, vor Ort. In Diskussionen wollen wir auch grundsätzlichere Fragen zu Verantwortung und Schuld – damals und heute – thematisieren.

4. Neo-Nazismus in Europa
Über Nazismus sagen alle das Gleiche. Es geschah in der Vergangenheit und sollte dort auch bleiben. Aber ist Nazismus wirklich in der Vergangenheit geblieben? Das Jahr 1945 bedeutete sowohl das Ende des zweiten Weltkrieges als auch das Ende des Naziregimes.
Es bleibt die Frage wer bildet die neonazistischen Gruppen heute? Rechtsextremisten, Fanatiker, White Power, Skinheads…. Die letzten 70 Jahre waren gekennzeichnet durch die Subkulturen und Parteien, die mit Nazismus flirten.
Das ist das Problem, das wir in unserem Workshop besprechen wollen.  Durch die Konversationen, Zeitzeugengespräche und Filme (aber vor allem Dialog, da wir unsere Teilnehmer so viel wie möglich einbeziehen wollen) werden wir versuchen zu entdecken, warum die Nazismus nicht in der Vergangenheit geblieben ist. Was ist immer noch so faszinierend über Nazismus? Welche neonazistischen Gruppen gibt es heute? Was sind ihre Ziele? Das sind nur einige Fragen die uns interessieren.
Wenn du unser Interesse an diesem Thema teilst und deine Meinung und Erfahrungen über dieses Thema mit den Leuten aus anderen Ländern teilen willst, ist unser Workshop der richtige für dich.

5. Leben und Überleben im Ghetto
Neben den Konzentrationslagern gab es während des Nationalsozialismus viele weitere „Institutionen“, die errichtet wurden um Menschen zu demütigen und zu vernichten. Ghettos fungierten meist als eine Art Sammelplatz für Juden einer Region, bevor diese dann in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Darüber hinaus wurden sie in der Nazipropaganda häufig euphemistisch als „Neue Heimat“ der Verfolgten dargestellt – eine Illusion, der Verfolgte, Nichtverfolgte und Alliierte gleichermaßen erlagen. Noch bis heute gelten Ghettos im Narrativ der Nachkriegszeit als „Vorstufe zur Hölle“ und das Schicksal ihrer Opfer gerät im Vergleich zum Horror der Vernichtungslager häufig ins Hintertreffen.
Innerhalb unseres Workshops werden wir uns mit den Aspekten des Lebens und Überlebens im Ghetto beschäftigen, nicht damit, welche Funktion Ghettos hatten oder haben, wie sie strukturiert sind und praktisch oder wirtschaftlich „funktionieren“. Demnach arbeiten wir hauptsächlich mit Zeugnissen von Menschen, die gezwungen wurden, in einem Ghetto zu leben: Tagebücher, Memoiren oder andere Quellen, sowohl von Überlebenden als auch von Opfern verfasst. Wie gestaltete sich das alltägliche Leben, (wie) konnte ein soziales, familiäres oder kulturelles Leben stattfinden, welche Ängste und Sorgen beeinflussten die Bewohner und wie ist ein Überleben überhaupt möglich, wenn der Tod Alltag wird? Auch werden wir die Möglichkeit haben, Abba Naor, einem Überlebenden des Ghettos in Kaunas, diese Fragen zu stellen.
Wir freuen uns auf einen interessanten Workshop mit vielen Diskussionen und hoffen, einen Einblick in etwas zu vermitteln, das eigentlich nicht verstanden werden kann.

6. Geschichte(n) von Rettern und Tätern -Lernen über Verantwortung
Niemand wird als Held oder Verbrecher geboren. Aber – was war es dann, was während der NS-Zeit Leute motivierte, ihr eigenes Leben zu riskieren, um Verfolgten zu helfen? Und was brachte Menschen auf der anderen Seite dazu, diejenigen, die nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten, zu verfolgen, zu quälen und zu töten?
Wir werden versuchen, diese Fragen in unserem Workshop zu beantworten. Dazu möchten wir ein Zeitzeugengespräch mit Mirjam Ohringer führen, die aus Deutschland vor den Nazis geflohenen Menschen half, sich in den Niederlanden zu verstecken. Außerdem werden wir uns mit verschiedenen Geschichten von Rettern wie Oskar Schindler beschäftigen. Dabei wollen wir versuchen, einen Eindruck davon zu gewinnen, wie sich die riskanten Hilfsaktionen auf das Alltagsleben der Retter auswirkten.
Des Weiteren möchten wir uns mit verschiedenen Berichten von Überlebenden über Täter befassen, wie z.B. mit Berichten über KZ-Aufseher. Sollten wir jeden der Täter als kleinen Teil der ganzen Vernichtungsmaschinerie sehen oder ist jeder einzelne von ihnen als Mörder zu verurteilen?
Wir wollen Filme schauen, Texte lesen, aber hauptsächlich diskutieren, um herauszufinden, was wir aus diesen Geschichten über Verantwortung in unserem heutigen Leben lernen können.