Workshops 2016

Auch dieses Jahr werdet Ihr wieder die Wahl zwischen verschiedenen Workshops haben. Ihr könnt Euch dafür sowohl in der ersten als auch in der zweiten Woche für je einen Workshop entscheiden. Hier seht Ihr die diesjährigen Workshop-Themen:

 

Workshop-Auswahl für die erste Woche:

Naziverbrechen vor Gericht

Der Workshop beschäftigt sich mit der juristischen Aufarbeitung und der rechtlichen Ahndung der Kriegsverbrechen wie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Nationalsozialismus. Millionenfach fielen Menschen aus aller Welt den Verbrechen der Deutschen zum Opfer, was bestimmte Formen von Bestrafung hervorbrachte, die stets im Konfliktfeld von Rache, Sühne und Vergebung zu verstehen sind. Die Aufarbeitung ist daher aus zweierlei Perspektiven zu begreifen: einerseits vor dem Hintergrund der militärischen Niederschlagung des Dritten Reiches im Mai 1945; andererseits auf der rechtlichen Ebene, die sich in den verschiedenen juristischen Prozessen (begonnen mit den ‚Nürnberger Prozessen) wiederspiegelt. Im Workshop soll sich diesen legalen Mechanismen und den Verschiebungen im internationalen Recht gewidmet werden, die mit einem neuen Verständnis von Gerechtigkeit einhergingen und noch immer gehen. Ausgangspunkt ist dabei die Abwesenheit adäquater internationaler Gesetze zur Zeit des Nationalsozialismus und ihrer nachträglichen Entstehung. Auch soll der Bedeutung der Prozesse in Bezug auf die Beziehungen der Siegermächte sowie der geopolitische Lage Europas nachgegangen werden. Als Zeitzeuge wird ein jüdischer Überlebender verschiedener Konzentrations- und Vernichtungslager anwesend sein, der selbst als Journalist einen Großteil der bekannten Prozesse begleitet hat

Die Industrialisierung des Todes

In diesem Workshop werden die breiteren Fragen rund um die sog. ‚Endlösung‘ diskutiert. Wir werden uns detailliert die Herkunft und die Ziele sowie die Motivationen anschauen, die hinter dieser ‚Endlösung‘ verborgen sind. Ein Fokus der Analyse ist die genaue Betrachtung, wie die Pläne der Nationalsozialist_innen für die Vernichtung einer ganzen von ihnen diskriminierten Gruppe aussahen und wie diese sich nach und nach während ihrer Regierungs- und Kriegszeit veränderten. Können wir verschiedene Stufen und Methoden des Völkermords erkennen? Wie sind diese Pläne auf die NS-Ideologie bezogen? Und schließlich: Wie können wir diese Ereignisse im breiteren Kontext der modernen Industriegesellschaft und der bürokratischen Effizienz analysieren, die die Mittel für die Ermordung von Millionen unschuldigen Opfern zur Verfügung stellten?

Bildung Während des Nationalsozialismus

Dieser vielfältige und interaktive Workshop untersucht das tägliche Leben unter dem NS-Regime mit besonderem Fokus auf die damalige Bildung und Erziehung. Die Gruppe führt ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, der über seine Erfahrungen als Schuljunge sowie über die systematische Ausgrenzung aus Schulen und seine spätere Deportation in ein Konzentrationslager berichtet. Die Teilnehmer_innen machen auch einen Ausflug zu bedeutsamen Standorten der nationalsozialistischen Bildungslandschaft in München. Außerdem diskutiert der Workshop die gezielte Indoktrination von Kindern sowie das Klima an Hochschulen unter den NS-Behörden. Schließlich führt die Gruppe Diskussionen zur Frage, wie Geschichte und ihre Folgen heute zeitgemäß unterrichtet werden können.

Der Nationalsozialismus und die Medizin

In den Konzentrationslagern, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des nationalsozialistischen Deutschlands wurden ganze Serien von medizinischen Experimenten in großem Maße durchgeführt. Die betroffenen Gruppen waren insbesondere Sinti und Roma, Juden, Deutsche mit Behinderungen, und weitere Opfer aus ganz Europa. Im Workshop sollen die Voraussetzungen und Konsequenzen dieser inhumanen Aktionen sowie die Bandbreite dieser Experimente diskutiert werden. Wir werden uns mit jenen Phänomenen befassen, die die Nationalsozialisten als ‚Rassenhygiene‘ bezeichneten, dem Zusammenhang zu ihren Vernichtungsprogrammen nachgehen und dabei sogleich die Täter nicht aus dem Blick verlieren.

„Wie Schafe zur Schlachtbank”? – Jüdischer Widerstand während des Nationalsozialismus

Selbst heute noch ist die Wahrnehmung, dass die jüdische Gemeinschaft ihre Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten ohne weiteres einfach hinnahm und keinen Widerstand zu leisten versuchte, ein weitverbreitetes Bild davon, wie die europäischen Jüdinnen und Juden mit ihrer Diskriminierung, Ausgrenzung, Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung umgingen. Mit Hilfe der Erzählungen von Zeitzeugen und Überlebenden möchten wir einen tieferen Einblick in die Geschichte des jüdischen Widerstands, die unterschiedlichen Widerstandsformen und Beweggründe erhalten. Aus Respekt vor den mutigen Widerstandskämpfer_innen, die unter unvorstellbaren Bedingungen im Kampf um ihre Würde und Überzeugung ihr Leben verloren haben, wollen wir mit dem Vorurteil, dass die Jüdinnen und Juden Europas keinen Widerstand geleistet hätten, aufräumen.

 

Workshop-Auswahl für die zweite Woche:

Identität – Migration – Diskriminierung

In unserem Workshop wollen wir verstehen, welche Erfahrungen Überlebende als ‚Befreite‘ in der Nachkriegszeit gemacht haben und ob sie Orte gefunden haben, an denen sie wieder ‚zu Hause‘ sein konnten. Mit diesem Hintergrund wenden wir uns dem aktuellen Zeitgeschehen in Europa zu und stellen die Frage, inwiefern diese Flucht- und Migrationsbewegungen miteinander in Bezug gesetzt werden können (oder eben nicht). Wir möchten die Gegenüberstellung von ‚Migrant*innen‘ bzw. ‚Flüchtlingen‘ und ‚Ansässigen‘, die für unterschiedliche politische Zwecke instrumentalisiert wird, in Frage stellen. Damit möchten wir eine kritische Perspektive auf den im heutigen Europa erstarkten Rassismus der Gesellschaft der ‚Ansässigen‘ entwickeln. All dies geschieht unter der Fragestellung, wie im 21. Jahrhundert ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in diversen Gesellschaften von uns gestaltet werden kann.

Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland

In dem Workshop wollen wir uns mit den Themen der sogenannten ‚zivilen Zwangsarbeit‘ sowie der Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern und deren Außenlagern beschäftigen. Dabei wollen wir uns einerseits mit Menschen auseinandersetzen, die zur Arbeit gezwungen wurden, und andererseits auch einen Blick auf Firmen und Einzelpersonen werfen, welche von selbiger profitierten. Wichtige Bestandteile des Workshops werden die Diskussion über den Begriff und die Anschauung von Arbeit im Nationalsozialismus sowie ein Zeitzeugengespräch mit einem Überlebenden eines Dachauer Außenlagers sein. Zudem werden wir selbst eine Exkursion zu einem ehemaligen Dachauer Außenlager unternehmen.

Marginalisierte Häftlingsgruppen

Als marginalisierte Häftlingsgruppen werden im Allgemeinen die vergessenen und an den Rand gedrängten Opfer des NS-Regimes bezeichnet. Dazu gehören neben vielen anderen Sinti und Roma, Homosexuelle sowie sogenannte Asoziale und sogenannte ‚Berufsverbrecher‘. Wir wollen diesen Häftlingsgruppen in unserem Workshop besondere Aufmerksamkeit widmen, indem wir uns mit Biografien und historischen Quellen auseinander setzen. Wer waren diese Menschen, warum wurden sie verfolgt und wie ging es für sie nach dem Krieg weiter? Warum wissen wir so wenig über sie? Wesentlich ist für uns aber auch eine (selbst)kritische Betrachtung des Begriffs ‚Marginalisierte‘ an sich. Diskussionen darüber, wie möglichst allen Opfern des NS-Terrors auf adäquate Weise gedacht werden kann, wird eines der Ziele dieses Workshops sein.

Musik im Konzentrationslager

Musik war kein seltenes Phänomen in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus. Ihr kam eine ambivalente Rolle zu: Als Mittel zum Überleben oder Instrument des Terrors. Als Form der ‚Disziplinierung‘ diente sie beispielsweise der SS als Mittel zur Repression der Häftlinge. Den Lagerinsassen aber konnte gemeinsames (heimliches) Musizieren auch helfen, die Demütigungen und schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten oder der Realität zumindest für kurze Zeit zu entfliehen. In unserem Workshop wollen wir uns näher mit dieser Ambivalenz befassen.

In der Falle zwischen Hitler und Stalin – Sowjetische Häftlinge im KZ Dachau

Nationalsozialistisches Deutschland und die Sowjetunion waren zwei ideologische Gegenpole des 20. Jahrhunderts. Als Nazi-Truppen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 überfielen, begann der sogenannte ‚Vernichtungskrieg‘ – der Krieg, der aufgrund der rassistischen und politischen Ideen keine Gnade gegenüber den Bürger_innen der Sowjetunion kannte, seien es Soldaten oder Zivilisten, Männer oder Frauen, Kinder oder Alte. Angesichts der Gefahr, die das Hakenkreuz mit sich brachte, konnten Sowjetische Menschen jedoch nicht immer mit dem Schutz des Hammers und der Sichel rechnen. Stalins Regime tolerierte keinen Verrat und keine Kollaboration – ziemlich verschwommene Begriffe, die zu ziemlich jeder Überlebensstrategie unter Besatzung oder in Gefangenschaft angewandt werden konnten. Welche Wege führten Sowjetische Bürger_innen unter diesen Umständen in die deutschen Konzentrationslager? Welche Lebens- und Arbeitsbedingungen erwarteten sie? Wie wurden sie nach der Rückkehr behandelt? Und wie kommt es dazu, dass ihre Stimmen beim Gedenken immer noch kaum zu hören sind? Mit diesen und weiteren Fragen möchten wir uns am Beispiel der Schicksale der Sowjetischen Häftlinge im KZ Dachau auseinandersetzen.

Bildung über den und nach dem Holocaust

Im Workshop sollen verschiedene Arten des Umgangs mit dem Holocaust nach 1945 in unterschiedlichen Täter-, Opfer- und Siegerländern, aber auch in Ländern, welche keinen direkten Bezug zum Holocaust haben, einander gegenübergestellt und verglichen werden. Wir werden positive und negative Aspekte der ‚Holocaust-Bildung‘ einiger Ländern aufzeigen und uns dazu austauschen. Wir überlegen, was unserer Meinung nach der idealste und am besten anwendbare Weg wäre, um diese sehr wichtige und sensible Thematik zu vermitteln.